„Grumbeersupp un Quetschekuche“

Das Bühler Zwetschgenfest steht vor der Tür und für mich ist es Zeit für unser Familiengericht Kartoffelsuppe und Zwetschgenkuchen, wohlgemerkt mit Hefeteig. Für Außenstehende klingt das nach einem kulinarischen Missverständnis – süß und salzig auf einem Teller? -, aber genau diese Kombination ist in der Pfalz eine alte Tradition, die zur Weinlese in den Reben serviert wurde.

Meine Oma Ruth (1916 bis 2012) hat das nie groß erklärt. Sie hat einfach die Suppe auf den Tisch gestellt und das Blech Zwetschgenkuchen danebengestellt, eine Kombination, bei der sich das Herzhaft-Würzige und das Süß-Säuerliche abwechseln, ohne sich zu streiten. Manche meiner Familienmitglieder sind skeptisch, was diese Kombi angeht und genießen den Zwetschgenkuchen lieber im Anschluss an die Kartoffelsuppe. Ich dagegen liebe diesen Kontrast, für mich ist das Soulfood – so richtig was fürs Herz. Dieses Gericht hat meine Oma vom Herbsten in der Pfalz mitgebracht – dort heißt es „Grumbeersupp un Quetschekuche“ und gilt als klassisches Bauernessen zur Erntezeit. Im Badischen wurde daraus dann eine ähnliche Tradition: Zur Zeit der Bühler Zwetschgen isst man bei uns in der Familie traditionell Kartoffelsuppe mit Zwetschgenkuchen, oft lauwarm und frisch aus dem Ofen. So wanderte die Kombination über den Rhein, von den pfälzischen Feldern in die badische Küche – und bei uns in die Erinnerung an Oma Ruth. Früher wurde die Suppe in der Milchkanne und der Kuchen direkt auf dem Blech in die Reben gebracht und zusammen gegessen – eine praktische Mahlzeit für die Erntehelfer. In Baden serviert man die Suppe meist heiß mit Petersilie bestreut, dazu den lauwarmen Zwetschgenkuchen – köstlich.

Jetzt, da die Temperaturen wieder angenehmer sind, werde ich das wieder so machen, wenngleich nicht mit der Bühler Zwetschge, für diese ist die Erntezeit leider schon vorbei. Nicht als skurrile Show, sondern als kleines, leises „Danke“ an die Art, wie Oma Ruth Mittagessen zu einer kleinen Geschichte gemacht hat: die Suppe, der Kuchen, dazwischen immer wieder Platz für ein Gespräch, ein Lächeln, ein bisschen Erinnerung – und ein Stück badisch-pfälzische Heimat auf dem Teller.

Mahlzeit und beste Grüße,
Stefanie Stedry, Stellvertretende Ortsvorsteherin

Kartoffelsuppe anderer Art (aus Paula Horn, Kochbuch) 2 Personen

375g Kartoffeln, ¾ l Wasser, Salz, 1 Stückchen Butter, 1/8 l Rahm, Petersilie

Die gewaschenen, geschälten Kartoffeln werden in Würfel geschnitten, mit Butter, Salz und kaltem Wasser aufgestellt, weichgekocht und durchgetrieben. Der Rahm wird in der Suppenschüssel glattgerührt und die heiße Suppe langsam zugegeben. Mit Petersilie bestreuen.

Zwetschgenkuchen (Dr. Oetker, Backen macht Freude)

375g Mehl in eine Schüssel, mit 1 Pck Trockenhefe, 50 g Zucker, 1 Pck Vanillezucker, 1 Prise Salz sorgfältig mischen. 200 ml lauwarme Milch, 75g zerlassene Butter hinzufügen und alles mit dem Knethaken 5 Minuten zu einem Teig verarbeiten.
Abgedeckt so lange stehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat. Auf der Arbeitsfläche kurz durchkneten und auf einem gefetteten Blech ausrollen.

2,5 kg Zwetschgen entkernen, halbieren und dann schuppenförmig, mit der Innenseite nach oben auf den Teig legen.
Bei 200-220 °C Ober-/Unterhitze (vorgeheizt) 20-30 Minuten backen Bei Bedarf mit etwas Zucker bestreuen.